Innovation muss nicht in einer grossen Entwicklungsabteilung entstehen. Im Inno-Netzwerk St.Gallen lernen KMU in angeleiteten Workshops verschiedene Innovationsmethoden kennen und wenden sie direkt an einem Thema an, das für sie von Bedeutung ist. Das Institut für Innovation, Design und Engineering (IDEE) der OST – Ostschweizer Fachhochschule moderiert und begleitet das Projekt. Das erleichtert den KMU den Einstieg in ihr Innovationsvorhaben. Sie arbeiten branchenübergreifend zusammen, um konkrete und geteilte unternehmerische Herausforderungen aus ihrem Alltag gemeinsam anzugehen, denn viele Fragestellungen beschäftigen nicht nur ein einzelnes Unternehmen. Im Austausch mit anderen KMU entstehen bessere Fragen, mutigere Ideen und tragfähigere Lösungen.
Im Pilotprojekt war unter anderem das KMU HB-Therm AG dabei und brachte die Fragestellung in das Inno-Netzwerk St.Gallen ein, wie Daten in konkreten Nutzen für die Kundschaft, neue Services und nachhaltigen Mehrwert übersetzt werden können. Reto Zürcher, CEO bei HB-Therm, berichtet, welche Erkenntnisse er im Inno-Netzwerk gewonnen hat und wie er profitieren konnte.
Reto Zürcher, was hat dich motiviert, als Pionierunternehmen am Inno-Netzwerk teilzunehmen?
Reto Zürcher: Die Idee, dass sich wild zusammengewürfelte Unternehmen einem Thema widmen und gemeinsam versuchen, eine Herausforderung zu lösen hat mich von Anfang an fasziniert! Das Inno-Netzwerk bot einen perfekten Rahmen: praxisnah, branchenübergreifend und mit externer methodischer Begleitung. Als Pionierunternehmen wollten wir nicht abwarten, sondern früh mitgestalten und lernen.
«Alle Teilnehmenden haben die Themen aus ihrem Blickwinkel beurteilt. Dieser Austausch hat geholfen, die eigene Sicht zu überdenken und neue Perspektiven einzunehmen.»
Wie hast du die Zusammenarbeit mit den anderen Unternehmen und den Projektpartnern erlebt?
Die Zusammenarbeit war sehr offen und konstruktiv. Entscheidend war, dass alle Teilnehmenden die Themen aus ihrem Blickwinkel beurteilt haben und deshalb viele verschiedene Aspekte eingeflossen sind. Dieser Austausch hat geholfen, die eigene Sicht zu überdenken und neue Perspektiven einzunehmen. Die Begleitung durch die OST – Ostschweizer Fachhochschule war dabei wertvoll, weil sie Struktur gegeben hat, ohne den Praxisbezug zu verlieren.
Was hat dich während des Projekts überrascht?
Überrascht hat mich, wie ähnlich gewisse Herausforderungen über Branchengrenzen hinweg sind. Digitalisierung, Daten, neue Services oder der Umgang mit begrenzten Ressourcen beschäftigen viele Unternehmen. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass gute Innovation oft nicht an fehlenden Ideen scheitert, sondern daran, die richtigen Fragen zu stellen und genügend konsequent zu priorisieren.
Wo hat dir das Projekt den grössten Mehrwert gebracht?
Der grösste Mehrwert lag in der Schärfung unseres Wertversprechens. Das Projekt hat uns geholfen, von einer technologiegetriebenen Sichtweise zu einer kundenzentrierten Betrachtung zu gelangen. Insbesondere die kritische Diskussion über Zahlungsbereitschaft, Zielgruppen und konkrete Anwendungsfälle war für uns sehr wertvoll.
«Wir nehmen mit, Innovationsfragen früher und breiter zu diskutieren: mit Kunden, mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Bereichen und auch mit externen Partnern.»
Welche Erkenntnisse lassen sich unmittelbar in euren Arbeitsalltag übertragen?
Wir nehmen mit, Innovationsfragen früher und breiter zu diskutieren: mit Kunden, mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Bereichen und auch mit externen Partnern. Zudem hat sich bestätigt, dass kleine, klar abgegrenzte Experimente oft wirkungsvoller sind als grosse Konzepte auf Papier. Wichtig ist, rasch zu prüfen, ob eine Idee im Markt oder im Betrieb wirklich trägt.
«Wer lernen und Innovation pragmatisch voranbringen will, kann stark profitieren.»
Wem empfiehlst du die Teilnahme am Inno-Netzwerk St.Gallen?
Ich würde die Teilnahme insbesondere KMU empfehlen, die eine konkrete Fragestellung haben, aber noch nicht genau wissen, wie sie diese methodisch angehen sollen. Entscheidend ist die Bereitschaft, offen zu diskutieren, eigene Annahmen zu hinterfragen und Zeit in den Prozess zu investieren. Wer nur fertige Antworten erwartet, ist vermutlich am falschen Ort. Wer aber ernsthaft lernen und Innovation pragmatisch voranbringen will, kann stark profitieren.