Symbolbild mit Technik

iST AG: Vom Toggenburg in die Welt

Die Innovative Sensor Technology IST AG entwickelt und produziert Sensoren für Kunden auf der ganzen Welt – und das seit über drei Jahrzehnten vom Toggenburg aus. Jörn Lützen, Managing Director iST-Group, spricht im Interview über die regionale Verwurzelung, die Vorteile des Standorts St.Gallen für Hightech-Unternehmen und die Voraussetzungen für Innovation.

Jörn Lützen, zuerst Wattwil, dann Ebnat-Kappel: Das Toggenburg ist seit der Gründung der iST im Jahr 1991 die Heimat des Unternehmens. Wie wichtig ist der Standort Kanton St.Gallen für die Entwicklung vom Startup zum weltweit tätigen Sensorik-Unternehmen?

Jörn Lützen: Unser Headquarter in Ebnat-Kappel ist der Dreh- und Angelpunkt unserer weltweiten Aktivitäten. Viele internationale Kundinnen und Kunden staunen, wenn sie uns besuchen und feststellen, dass ein global tätiges Hightech-Unternehmen mitten im ländlichen Raum zu Hause ist. Entscheidend für unseren Erfolg sind aber die Mitarbeitenden. Viele von ihnen sind dem Unternehmen seit Jahren treu. Das schafft Kontinuität und sorgt dafür, dass Wissen weitergegeben wird. Diese Kombination aus hoher Fachkompetenz, Bodenständigkeit und langfristigem Denken ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

War es damals ein bewusster Entscheid, die Firma im Toggenburg aufzubauen?

Nein, das war es nicht. Der Gründer der iST sicherte sich damals Teile eines insolventen Unternehmens, darunter eine Fertigungsanlage. Gemeinsam mit drei tschechischen Ingenieuren nahm er diese wieder in Betrieb und bediente mit Auftragsbeschichtungen erste Kunden. Deshalb kann man das Unternehmen durchaus als Startup bezeichnen. Zwischen 2005 und 2007 ging die iST vollständig an die heutige Eigentümerin, die Endress+Hauser Gruppe, über.

13500

m² Fläche für die Entwicklung und die Produktion in der Schweiz.

Nach dem Umzug nach Ebnat-Kappel im Jahr 2012 wurde ein paar Jahre später erneut in den Hauptsitz investiert. Was gab euch die Sicherheit, langfristig auf diesen Standort zu setzen?

Als wir uns nach einem neuen Standort umschauten, war uns wichtig, das Team zusammenzuhalten. Entsprechend haben wir gezielt nach Lösungen im Umkreis von rund 20 Kilometern um Wattwil gesucht. Bereits in den Jahren nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts im Jahr 2012 wurde deutlich, dass Ebnat-Kappel von unseren Mitarbeitenden sehr gut angenommen wird. Heute lebt mehr als die Hälfte von ihnen im mittleren Toggenburg, also ganz in der Nähe unseres Standorts. Dazu kommen die guten öV-Verbindungen nach St.Gallen, Rapperswil-Jona und Wil. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit mit den Behörden von Gemeinde und Kanton. Diese habe ich immer als sehr zielorientiert erlebt, was für uns ein echter Standortvorteil ist.

Welche Bedeutung hat die Verbindung von regionaler Verwurzelung und internationaler Ausrichtung für dein Unternehmen?

Viele Menschen fühlen sich in ihrem familiären Umfeld wohl. Dieses stabile Fundament gibt ihnen Sicherheit und ist oft ein wichtiger Grund, langfristig in der Region zu bleiben. Davon profitiert auch das Unternehmen, weil wir auf verlässliche, langjährige und engagierte Mitarbeitende zählen können. Gleichzeitig bieten die weltweiten Aktivitäten der iST-Gruppe vielfältige Möglichkeiten, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln.

Was macht den Kanton St.Gallen zu einem attraktiven Ort für Hightech-Unternehmen?

Der Kanton verbindet aus meiner Sicht viele Vorteile. Da wäre zum einen die hohe Lebensqualität, welche die Vorzüge des ländlichen Raums mit der Nähe zum internationalen Wirtschaftszentrum Zürich kombiniert. Zum anderen profitieren wir von den kurzen Distanzen zum Arbeitsmarkt in Süddeutschland und im Rheintal. Mit der OST sowie der ETH und der Empa verfügt die Region zudem über starke Hochschulen und Forschungsinstitutionen. Sie sind für uns wichtige Quellen für qualifizierte Nachwuchskräfte. Darüber hinaus befinden sich viele Kunden, Lieferanten und Unternehmen der gleichen Branche in der Region, wobei ich dort den Kreis weiter als die Kantonsgrenze ziehen würde.

Welche Formen der Zusammenarbeit mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder Hochschulen fördern eure Innovationskraft?

Für mich sind die Mitarbeitenden der wichtigste Faktor für Innovation. Gleichzeitig profitieren wir von der Nähe zu vielen unserer Kunden und Lieferanten. Das ermöglicht eine enge Zusammenarbeit im Alltag, die beiden Seiten Vorteile bringt. Und auch wenn die digitale Kommunikation heute vieles einfacher macht, entstehen die besten Ideen nach wie vor dann, wenn Menschen persönlich zusammenkommen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Der Fachkräftemangel ist für viele Unternehmen Realität. Wie gelingt es euch, hochqualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure zu gewinnen?

Gute Mitarbeitende zu finden ist das eine, sie langfristig zu halten das andere – und aus meiner Sicht der wichtigere Teil. Entscheidend dafür ist eine Unternehmenskultur, die Eigenverantwortung fordert und fördert. Das hören wir auch immer wieder von unseren Mitarbeitenden. Die meisten Menschen wollen nicht verwalten, sondern gestalten. Wenn das im Unternehmen gelebt wird, spricht sich das herum. Dann kommen die Bewerbungen fast wie von selbst oder die Bewerberinnen und Bewerber spüren es bereits im Vorstellungsgespräch. Am Ende ist die Mund-zu-Mund-Propaganda nach wie vor die beste Werbung.

Welche Rolle können Hochschulen und andere regionale Bildungsinstitutionen dabei spielen?

Im Bereich der Berufslehre und der Weiterbildung bis auf Niveau der Höheren Fachschulen funktioniert die Zusammenarbeit aus meiner Sicht sehr gut. Auf Fachhochschul- und Universitätsstufe wurden in den vergangenen Jahren einzelne Ausbildungsrichtungen eingestellt, sodass für unsere Fachgebiete heute weniger Absolventinnen und Absolventen zur Verfügung stehen. Hier gibt es im Kanton St.Gallen noch Verbesserungspotenzial.

«Die zentrale Lage in Europa und die Nähe zu zahlreichen Unternehmen bieten nur wenige Regionen: Der Kanton St.Gallen verfügt über ein grosses Einzugsgebiet für Talente – von Süddeutschland bis nach Norditalien.»

Welche Chancen siehst du für den Technologiestandort St.Gallen in den kommenden Jahren, insbesondere im internationalen Wettbewerb um Innovation und Talente?

Die zentrale Lage in Europa und die Nähe zu zahlreichen Unternehmen sind Parameter, die nur wenige andere Regionen so bieten können. Dadurch verfügt der Kanton St.Gallen über ein grosses Einzugsgebiet für Talente, das von Süddeutschland bis nach Norditalien reicht. Hinzu kommt die Innovationskraft der Schweizer Hochschulen und Forschungsinstitute. Dank der kurzen Distanzen ist die Zusammenarbeit nicht auf den Kanton beschränkt, sondern reicht problemlos bis zur EPFL in Lausanne. Dieses Potenzial gilt es konsequent zu nutzen. Dazu braucht es attraktive Rahmenbedingungen, wie sie beispielsweise mit dem Reinraum in Buchs geschaffen wurden. Wichtig wird aber sein, die regionale Ausbildung und Forschung zu stärken. Sie bilden die Grundlage für Innovation und dafür, dass neue Startups entstehen können.

Innovative Sensor Technology IST AG ist einer der weltweit führenden Hersteller von physikalischen, chemischen und biologischen Sensoren. Erfahre mehr im Imagevideo.

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