Bild einer Frau, die bei LEICA arbeitet

Leica Geosystems: Innovation hat im Rheintal Tradition

Im Rheintal verwurzelt, weltweit gefragt: Leica Geosystems steht beispielhaft für die Innovationskraft des «Precision Valley». Für CEO Henning Sandfort ist es das Zusammenspiel von Fachwissen, Partnerschaften und Unternehmergeist, das die Region zu einem der führenden Hightech-Standorte in Europa macht.

Henning Sandfort, die Geschichte von Leica Geosystems begann vor 200 Jahren mit Wild Heerbrugg. Weshalb hat man damals das Rheintal als Unternehmensstandort gewählt?

Henning Sandfort: Firmengründer Heinrich Wild wollte nach dem Ersten Weltkrieg mit seiner Familie von Jena in die Schweiz zurückkehren und suchte Unterstützung für die Gründung einer optischen Präzisionswerkstatt. Der Rheintaler Industrielle Jacob Schmidheiny unterstützte das Vorhaben, auch weil er in den schwierigen Zeiten neue Arbeitsplätze für die Menschen im Rheintal schaffen wollte. Heute nennt man das Rheintal auch das Chancental. Der Anspruch, Perspektiven zu eröffnen und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten, spielte schon damals eine grosse Rolle.

Das Rheintal gilt als einer der innovativsten Hightech-Standorte Europas und ist als «Precision Valley» bekannt. Was macht diese Region aus deiner Sicht so besonders?

Das Besondere am «Precision Valley» sind vor allem die Menschen. Hier begegnen sich alle auf Augenhöhe. Es treffen Fachwissen, Unternehmergeist und eine starke Ausbildungskultur aufeinander. Die Region ist international ausgerichtet und gleichzeitig lokal eng vernetzt. Das schafft ein Umfeld, in dem neue Ideen schnell ihren Weg in die Anwendung finden.

Wie hat Leica Geosystems die Entwicklung des «Precision Valley» mitgeprägt und wie hat umgekehrt die Region die Entwicklung eures Unternehmens beeinflusst?

Mit der Gründung von Wild Heerbrugg im Jahr 1921 wurde der Grundstein für das heutige «Precision Valley» gelegt. Hier baute Heinrich Wild die Kompetenzen für die zentralen Schlüsseltechnologien Präzisionsmechanik und Präzisionsoptik auf. Viele Clusterunternehmen haben ihren Ursprung direkt oder indirekt bei Wild Heerbrugg. Das wohl bekannteste davon ist Leica Geosystems. So haben wir das «Precision Valley» von Anfang an mit Innovationen, Ausbildungsplätzen und langfristigen Investitionen stark mitgeprägt. Gleichzeitig profitieren wir bis heute von einem Umfeld, das neue Ideen begünstigt und über Generationen hinweg gewachsen ist.

«Im Precision Valley treffen Fachwissen, Unternehmergeist und eine starke Ausbildungskultur aufeinander. Die Region ist international ausgerichtet und lokal eng vernetzt. In diesem Umfeld finden Ideen schnell ihren Weg in die Anwendung.»

Das «Precision Valley» vereint zahlreiche Weltmarktführer und Hidden Champions auf engem Raum. Welche Bedeutung haben diese Nähe und der Austausch für euer Unternehmen?

Im Rheintaler Ökosystem gehen Innovationsgeist, technische Exzellenz und starke Partnerschaften Hand in Hand. In der Region sind Kompetenzen in Bereichen wie Präzisionsoptik, Sensorik und Feinmechanik vorhanden, von denen auch wir bei der Entwicklung neuer Mess- und Sensorsysteme profitieren. Der Austausch mit anderen Unternehmen, Hochschulen und weiteren Partnern hilft uns, neue Ideen schneller weiterzuentwickeln und macht die Region auch für qualifizierte Fachkräfte attraktiv.

Wie wichtig sind Partnerschaften mit Hochschulen, Forschungsinstitutionen und anderen Unternehmen in der Region?

Das anwendungsorientierte Forschungszentrum RhySearch und auch der neu gegründete Sensor Innovation Hub in Buchs zeigen sehr gut, was das Rheintal auszeichnet: Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Startups und Industrieunternehmen arbeiten hier eng zusammen. Dadurch entstehen Ideen, Kompetenzen und Technologien sowie eine passende Infrastruktur, von der alle profitieren. Ein gutes Beispiel ist auch unser Partner und strategischer Zulieferer SwissOptic, der den Reinraum in Buchs für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten nutzt. Die Erkenntnisse daraus fliessen wieder in neue Komponenten und Technologien von Leica Geosystems ein.

«Heerbrugg ist einer der wichtigsten Innovations- und Entwicklungsstandorte von Hexagon. Hier befindet sich ein grosser Teil unserer Technologiekompetenz und wir entwickeln Lösungen, die weltweit zum Einsatz kommen.»

Heerbrugg ist einer der grössten Standorte des Hexagon-Konzerns, zu dem Leica Geosystems gehört. Welche strategische Bedeutung hat der Standort innerhalb des Gesamtunternehmens?

Heerbrugg ist einer der wichtigsten Innovations- und Entwicklungsstandorte von Hexagon. Hier befindet sich ein grosser Teil unserer Technologiekompetenz und wir entwickeln Lösungen, die weltweit zum Einsatz kommen. Deshalb investieren wir derzeit auch einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in ein neues Kompetenzzentrum auf dem Areal der Wild Heerbrugg. Der Standort ist ein zentraler Pfeiler für die Zukunft von Leica Geosystems und des gesamten Konzerns.

Wie profitiert ihr von der Verbindung aus regionaler Verankerung und globaler Präsenz?

In Heerbrugg konzentriert sich spezialisierte Kompetenz in den Bereichen Entwicklung, Innovation und Technologie. Von hier aus gehen Impulse in die ganze Welt; über unsere Mitarbeitenden, unsere Technologien und den engen Austausch mit unseren Teams in den Regionen. Unsere Kolleginnen und Kollegen weltweit bringen ihr Wissen über Kunden, Märkte und Anwendungen ein und liefern damit wichtige Impulse für unsere Lösungen. Dieses Zusammenspiel macht unsere Stärke aus: die gebündelte Expertise in Heerbrugg, verbunden mit dem Know-how und den Erfahrungen unserer Teams weltweit.

4'500

Mitarbeitende in 33 Ländern beschäftigt LEICA Geosystems in zahlreichen Branchen wie Vermessung, Bergbau, Verkehrswesen, Versorgung, Sicherheit, Bau und Fertigung.

Du hast die Bedeutung der Mitarbeitenden angesprochen. Wie kommt ihr in Zeiten des Fachkräftemangels zu gut ausgebildeten Mitarbeitenden?

Um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten, braucht es mehr als interessante Stellenangebote. Menschen wollen an etwas arbeiten, das Sinn stiftet und einen echten Beitrag leistet. In unserer Branche ist genau das möglich. Unsere Technologien und Dienstleistungen unterstützen eine nachhaltige Infrastrukturentwicklung, helfen beim verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, erhöhen Produktivität und Sicherheit in der Baubranche und schaffen die Grundlage für wichtige Entscheidungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu kommen unsere langjährige Expertise und unser hervorragender internationaler Ruf, die Fachkräfte aus aller Welt anziehen. Gleichzeitig investieren wir seit Jahrzehnten konsequent in die Ausbildung. Gemeinsam mit unserem Partner libs, Industrielle Berufslehren Schweiz, bilden wir die Fachkräfte von morgen aus und stärken so den Standort langfristig.

Seit Generationen gehört Innovation zur DNA des Unternehmens. Wie schafft ihr es, diese Kultur über Jahrzehnte hinweg lebendig zu halten und immer wieder neu zu denken?

Heinrich Wild hat es so formuliert: «Der grösste Anreiz und zugleich die grösste Förderung ist die eigene Konkurrenz.» Diese Haltung spürt man heute noch: Unsere Teams arbeiten mit Leidenschaft daran, sich selbst zu übertreffen. Die Nähe zu unseren Anwendern zeigt uns, wo Produkte und Prozesse weiter verbessert und die Produktivität gesteigert werden können. Und nicht zuletzt ziehen wir mit unseren Anwendungen, der Technologie und unserer Kultur Expertinnen und Experten an, die sich für Innovation begeistern, und suchen umgekehrt gezielt nach solchen Talenten. Innovation braucht Menschen, die sie vorantreiben – heute mehr denn je.

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