Das St.Galler Startup matriq entwickelt Codier- und Markierlösungen für Kunststoffprodukte, die eine eindeutige Identifikation und Rückverfolgbarkeit für die Qualitätskontrolle ermöglichen und so auch zum Schutz vor Fälschungen beitragen. Das Spin-off der einstigen NTB, heute Teil der OST – Ostschweizer Fachhochschule, hatte seine Anfänge 2019 im Reinraum am Campus Buchs und ist heute im Switzerland Innovation Park Ost in St.Gallen beheimatet. Aktuell werden Kundinnen und Kunden im DACH-Raum sowie in Italien, Frankreich, Tschechien und Kanada beliefert.
André Bernard, als Spin-off der NTB habt ihr die ersten Kapitel eurer Erfolgsgeschichte im Reinraum am Campus Buchs geschrieben. Was hat sich seither bei euch verändert?
André Bernard: Zu Beginn haben wir im Reinraum unsere Entwicklungen vorangetrieben und gemeinsam mit Forschungs- und Industriepartnern erste Innosuisse-Projekte umgesetzt. Mit der Weiterentwicklung unserer Produkte stiegen dann auch die Anforderungen an die Prozessstabilität, die Ausfallsicherheit und die Anlagenverfügbarkeit. Da uns die NTB aufgrund ihrer Ressourcen keine hohe Redundanz in der Prozesskette bieten konnte, haben wir unser Netzwerk erweitert und das Schweizerische Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (CSEM) als zusätzlichen Produktions- und Entwicklungsstandort für unsere Mikrosysteme eingebunden. Die OST bleibt aber bis heute ein wichtiger Partner.
«Innosuisse unterstützt uns mit Coaching und einem breiten Expertennetzwerk, das uns bei Themen wie Fundraising, Unternehmensentwicklung oder Markteintritt weiterbringt.»
Welche Bedeutung hat für euch die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungsinstituten?
Hochschul- und Forschungskooperationen sind für uns ein wichtiger Baustein. Neben der OST in Buchs und Rapperswil sowie dem CSEM arbeiten wir auch mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), der ETH Zürich und weiteren Forschungspartnern zusammen. Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass die Projektsteuerung beim Industriepartner, also bei uns, liegt. Hochschulen arbeiten in anderen Rhythmen und mit anderen Prioritäten. Wenn die Projektziele nicht eng an unseren operativen Zielen ausgerichtet sind, verlieren wir wertvolle Zeit. Mit dieser Grundhaltung aber lässt sich hervorragend von der akademischen Expertise profitieren. Ausserdem unterstützt uns Innosuisse mit Coaching und einem breiten Expertennetzwerk, das uns bei Themen wie Fundraising, Unternehmensentwicklung oder Markteintritt weiterbringt.
Was sind für euch aktuell die grössten Herausforderungen?
Als Scale-up stehen wir vor mehreren Herausforderungen gleichzeitig. Ein grosses Thema ist die Finanzierung. Wir müssen genügend Mittel sichern, um das Unternehmen weiterzuentwickeln und zu wachsen. Eng damit verknüpft ist die Produktionssicherheit. Gerade bei Mikrosystemen sind stabile Prozesse und eine gleichbleibend hohe Qualität entscheidend. Hinzu kommt die angespannte Lage in unseren Zielmärkten wie Automotive, Industrie oder Medtech. Diese Sektoren stehen unter grossem Druck: Energiekosten, geopolitische Unsicherheiten und ein intensiver Wettbewerb in der Spritzguss- und Kunststoffverarbeitung hinterlassen Spuren, auch bei unseren Kunden. Deshalb geht es für uns immer darum, die richtigen Prioritäten zu setzen: Wo investieren wir heute, damit wir morgen nachhaltig wachsen können?
In welche regionalen Netzwerke, Cluster oder Kooperationen seid ihr zudem eingebunden?
Wir sind in verschiedenen Kunststoffnetzwerken in der Schweiz, in Österreich und Deutschland aktiv. Dort treffen wir Formenbauer, Spritzgiesser, Medizintechnikunternehmen und weitere Partner aus der Branche. Für uns sind diese Netzwerke wichtig, um Kontakte zu knüpfen und den Austausch mit der Industrie zu pflegen. Gleichzeitig merken wir aber auch, dass Mitgliedschaften für Startups teilweise teuer sind. Zudem ist der Austausch mit der Westschweiz nicht immer einfach, der sprachliche Graben spürbar. Aus unserer Sicht wäre ein regionenübergreifendes Netzwerk ein echter Mehrwert.
«Beim Markteintritt helfen uns Programme von Innosuisse und Switzerland Global Enterprise sowie unser internationales Netzwerk.»
Wie gelingt euch der Zugang zu globalen Märkten aus St.Gallen heraus?
Unser Vertrieb wird komplett von St.Gallen aus gesteuert, aktuell noch ohne eigene Niederlassungen im Ausland. Heute beliefern wir Kunden im DACH-Raum und in mehreren europäischen Ländern sowie in Kanada, weitere Märkte wie China, Taiwan und die USA stehen kurz vor dem Eintritt. Die grösste Herausforderung ist dabei nicht der Vertrieb, sondern der lokale Support. Kundinnen und Kunden erwarten schnelle Reaktionszeiten und kompetente Ansprechpersonen vor Ort, unabhängig von Sprachbarrieren und Zeitzonen. Wie wir das mit wachsendem Kundenstamm skalieren, ist eine Frage, an der wir aktiv arbeiten. Beim Markteintritt helfen uns Programme von Innosuisse und Switzerland Global Enterprise sowie unser internationales Netzwerk. Gleichzeitig gehören Themen wie Zoll, Wechselkurse und Exportformalitäten für uns zum Alltag.
Wie einfach ist es, ein neues Produkt zu lancieren?
Dies ist grundsätzlich eine Herausforderung. Erst recht, wenn es sich nicht um inkrementelle, sondern um radikale oder disruptive Innovation handelt. Unsere Lösung greift direkt in den Produktionsprozess unserer Kunden ein. Für ein junges, noch wenig bekanntes Unternehmen ist das eine Herkulesaufgabe und gleichzeitig unser grösster Antrieb.
«Die Region hat eine starke KMU-Landschaft mit viel Know-how, etwa im Maschinenbau, in der Fertigungstechnik oder der Medizintechnik. Das macht es für junge Unternehmen deutlich einfacher, die richtigen Partner zu finden.»
Ist die Region Ostschweiz offen für neue Ideen und Unternehmen?
Die Ostschweiz ist kein Silicon Valley, aber sie ist weit besser als sie sich selbst immer darstellt. Tiefstapeln gehört hier fast schon zur Mentalität. Dabei hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Es gibt mehr Programme, Veranstaltungen und Auszeichnungen, die Startups unterstützen und Innovation sichtbar machen. Gleichzeitig verfügt die Region über eine starke KMU-Landschaft mit viel Know-how, etwa im Maschinenbau, in der Fertigungstechnik oder der Medizintechnik. Das macht es für junge Unternehmen deutlich einfacher, die richtigen Partner zu finden.
matriq entwickelt Codier- und Markierlösungen für Kunststoffprodukte, die eine eindeutige Identifikation und Rückverfolgbarkeit für die Qualitätskontrolle ermöglichen. Lerne das Startup im Video kennen.